Tell your Story! Interview mit Coach und Autorin Anabell Schuchhardt

Tell your Story! Interview mit Coach und Autorin Anabell Schuchhardt

Passend zum letzten Blogbeitrag „Weiterbildung“, stellen wir Ihnen heute wieder eine spannende Frau vor, die als Coach wertvolle Tipps für das Finden der eigenen Stimme und damit zur Weiterentwicklung gibt. Anabell Schuchhardt hat mit ihren jungen 32 Jahren schon einige berufliche Stationen hinter sich und ganz zu sich gefunden. Nun steht sie anderen Frauen, mit ihrem Wissen, aber auch ihre aktive Unterstützung zur Seite. Lesen Sie selbst:

Anabell, erzählen Sie uns ein wenig von sich. Wie wurden Sie was Sie sind und was macht Ihren Job so besonders?

Wie ich wurde, was ich bin, ist bei mir wohl faktisch eine lange und auf anderer Ebene eine sehr philosophische Antwort. Ich war Pferdepflegerin, habe dann doch noch Abitur gemacht und anschließend Kühe auf Island gemolken. Als Erste in der Familie, die ein Studium anstrebt, war ich planlos und studierte erst mal zwei Semester BWL. Dann hatte ich den Mut, meinem Herzen zu folgen und fand Erfüllung in dem Studium der Geschichte und Literatur. Trotzdem verfolgte ich nach der Uni nicht länger den Pfad als Journalistin. Aufgrund ehrenamtlicher Tätigkeiten, fand ich Gefallen an Organisationen und ihren Strukturen. Also wurde ich Unternehmensberaterin. Es folgte eine steile Karriere. Schnell hatte ich in einem Online StartUp die Verantwortung für über 70 Mitarbeiter und wurde Geschäftsführerin eines Gesundheitszentrums. Als Mentorin, Unternehmensberaterin und Führungskraft begleitete ich viele Menschen auf ihrem Weg. Da reifte schnell der Gedanke, dass ich Coach werden möchte. Ausschlaggebend war aber vor allem die Arbeit mit mir selbst. Die Erkenntnis, dass ich meinen eigenen Weg gehen, mich gegen Vorgesetzte behaupten und meine eigenen Werte leben muss, um nicht nur erfolgreich, sondern auch glücklich und gesund sein zu können. Die Entwicklung meiner eigenen Persönlichkeit, die Erfahrungen, die ich machen durfte, sowie die feste Überzeugung, dass jeder Mensch an sich selbst glauben sollte, haben mich in jedem Fall zu dem Coach gemacht, der ich heute bin.

Als Coach befassen Sie sich mit vielen psychologischen Hürden der Menschen. Was raten Sie Frauen, die spüren, dass Sie im falschen Job sind aber nicht wissen, was sie wirklich wollen?

Rein methodisch gesehen, habe ich ein Instrument entwickelt, das ich als Dreiklang bezeichne. Über verschiedene Ansätze lasse ich Frauen beschreiben, wie sie ihr Leben sehen und zwar in den Bereichen Beruf, Familie/Partnerschaft und Individualität. Dabei ist das Zielbild entscheidend. Die meisten Frauen wissen sehr gut, wo ihre Leidenschaften liegen. Die Kunst ist, herauszufinden, was davon wirklich zum Job werden könnte. Und damit meine ich nicht, was möglich ist. Denn möglich ist alles. Die Frauen müssen es aber wirklich wollen und davon überzeugt sein. Ein bisschen komplizierter ist dieser Prozess natürlich, wenn jemand nicht einmal eine Idee hat, wo die eigenen Interessen liegen. Erschreckenderweise kommt das vor und ich freue mich umso mehr, wenn wir hier einen neuen Weg einschlagen.

Wenn ein Ziel definiert ist, wie gehen Sie vor?

Den meisten Menschen fällt es leicht zu träumen. Es fehlt aber an den Ideen, wie man dorthin gelangen könnte. Deswegen ist es mir in meiner Arbeit besonders wichtig, ganz konkret zu sein. Das heißt, wie definieren ein Ziel sowie Meilensteine und erstellen dann auch Pläne, die ganz genau beschreiben, was zu tun ist. Als Coach trete ich hierbei in verschiedenen Rollen auf: Ich bin Kontrollinstanz, Inspirationsgeber, Methodenlieferant, Nachfrager und Kritiker. Entscheidend ist, dass Frau sich am Ende wohl fühlt, mit dem, was wir entwickelt haben. Sie muss daran glauben und es umsetzen können. Sie muss aber auch in der Lage sein, Veränderungen in dem Plan vorzunehmen, denn natürlich darf es Anpassungen geben, wenn Umstände sich ändern. So ist das Leben.

Was inspiriert Sie persönlich, ihren Weg zu gehen?

Das Vertrauen in diese Welt und der Glaube, dass jeder Mensch eine ganz persönliche Gabe mit sich bringt. Physisch gesehen, ist der Fingerabdruck jedes Einzelnen einmalig auf dieser Welt. Ich bin davon überzeugt, dass das auch auf die Seelenebene zutrifft. Leider trauen sich Viele aus verschiedenen Gründen nicht, sie selbst zu sein. Damit beschneiden wir uns aber unserer Möglichkeiten. Ich möchte meinen kleinen bescheidenen Teil dazu beitragen, das zu ändern. Ich denke, dass das in Summe dann nicht nur die einzelne Person, sondern unsere ganze Gesellschaft gesünder und glücklicher macht.

Was oder wer ist für Sie der Inbegriff von Mut?

Mut ist etwas sehr Persönliches und bezieht sich auf mein eigenes Empfinden. Für manche bedeutet Mut, eine Leiter hochzusteigen, für andere ist es ein Fallschirmsprung. Ich bewundere alle Menschen, die es wagen, ihren eigenen Weg zu gehen, wie immer dieser aussehen mag. Missstände offen anzusprechen, eigene Werte zu vertreten, sich für eine gute Sache einzusetzen und eigene Fehler einzugestehen, das sind für mich in jedem Fall mutige Taten.

Wie gehen Sie mit Zweifeln um?

Ich heiße sie Willkommen. Es bringt nichts, dagegen anzukämpfen, denn wenn ich das versuche, sind sie ja schon da. In aller Regel wollen sie mir etwas mitteilen. Zum Beispiel, dass ich über die Richtigkeit einer Sache noch mal nachdenke. Meistens aber weisen sie mich darauf hin, dass in meinem eigenen Kopf – und nirgends sonst – noch irgendetwas hakt. Vielleicht habe ich plötzlich Sorge vor dem Schritt in die Selbstständigkeit, weil ich noch nicht 100% an mich glaube? Oder ich zweifle an meiner Rolle als Führungskraft, weil ich meine eigenen Ansprüche an mich selbst mal wieder viel zu hoch setze?

Sie befassen sich viel mit Tieren. Sind Tiere die besseren Menschen? Und was können wir von ihnen lernen?

Ich hüte mich davor, Tiere mit Menschen zu vergleichen. Sie nehmen in meinem Leben eine große Rolle ein, ersetzen aber keine menschlichen Freunde oder eine Partnerschaft. Was ich an Tieren liebe und warum ich sie gern als Co-Coach einsetze, ist ihre bedingungslose Ehrlichkeit sowie das Leben im Hier und Jetzt. Als Beispiel: Ich stelle eine Frau zu meiner sensiblen Stute auf den Reitplatz und bitte sie, sich ihr so zu nähern, dass mein Pferd ihr vertrauen kann. Die erste Reaktion des Tieres ist aber, sich abzuwenden, sobald die Fremde versucht sich zu nähern. Genau an dem Punkt können wir reflektieren: Hat mein Körper Vertrauen oder Unsicherheit ausgestrahlt? Wie fühle ich mich, wenn das Pferd sich abwendet? Je nach Situation fallen mir noch hundert andere Fragen ein. Wir versuchen dann daran zu arbeiten und wenn die Frau es schafft, die nötige Ruhe auszustrahlen, dann wird mein Pferd es annehmen und sich nicht denken, dass die vorherigen Versuche ja wohl das Gegenteil bewiesen haben. Die negative Reaktion auf unser Tun kommt bei Tieren sofort und bedingungslos, ihre Liebe aber auch.

Was ist aus Ihrer Sicht ein Buch, das man gelesen haben muss und warum?

Diese Frage an jemanden, der Literatur studiert hat. Oh je. Passend zum Interview würde ich Ihnen gern Bücher über starke Frauen ans Herz legen. Und ich möchte Sie dazu aufrufen, bei diesen Werken darauf zu achten, wie einzigartig eigene Werte und Mut sind. Und dann vielleicht ein bisschen vorsichtiger damit umzugehen, wie wir Menschen beurteilen, um sich viel mehr zu fragen: Wer möchte ich SEIN?

Kristin Hannah: Die Nachtigall

Dina Nayeri: Ein Teelöffel Land und Meer

Sue Monk Kidd: Die Erfindung der Flügel

 

Liebe Anabell, wir danken Ihnen für dieses spannende Gespräch und wünschen Ihnen auf Ihrem Weg weiterhin ganz viel Erfolg, Mut und viel Freude!

P.S. Mehr zu Anabell erfahren Sie hier: www.bella-sein.com

 

Comments are closed